Besuch in rumänischen Tierheimen

Aktualisiert: 27. Okt.

Seit Mitte Oktober sind wir wieder auf Reisen in Rumänien. Diesmal haben wir ein etwas anderes, zusätzliches Programm. Neben Lauras Tierheim werden wir auch die Hunde im öffentlichen Shelter in Bukarest besuchen. Damit auch sie ein Gesicht bekommen und im Idealfall eine Stimme.



Tag 1: Lauras Tierheim beherbergt viel FIV Katzen



Heute möchten wir besonders Werbung machen für die über 90!!!! FIV Katzen aus Lauras Tierheim. Sie sind Träger des Feline Immundefizenz-Virus (kurz FIV), der wie beim menschlichen HIV Virus durch Blutübertragung, bei Bissen während Revierkämpfen oder Geschlechtsverkehr übertragen werden kann. Die Katzen sind alle kastriert und demnach ist eine Übertragung auf gesunde Katzen sehr unwahrscheinlich.

Bei stressfreiem Leben können diese Katzen ein hohes Lebensalter erreichen.

Im Tierheim sitzen sie in einer großen Gruppe, was natürlich ein Stressfaktor ist.

Wir suchen daher Pflegestellen oder Adoptanten, Lebenshöfe etc. für diese Katzen.

Die Katzen sind geimpft, gechipt, kastriert und sehr sozial.

Gerne beraten wir später hierzu näher.

Ansprechpartnerin: christina.recek@tsv-neuss.de

Tag 2 Besuch im Katzenhaus der Sache Foundation


Nach einem kleinen Frühstück am Morgen und einer Planbesprechung für den Tag, haben wir uns auf den Weg zu einem Katzenhaus der Sache Foundation gemacht. Auf dem Hinweg -und einem Zwischenstopp an einem Supermarkt haben wir einen Hund mit einer Verletzung am Hinterlauf gefunden. Er konnte das Bein nicht mehr belasten. Nach einer kurzen Rückversicherung haben wir ihn eingepackt und zurück zur Tierklinik gebracht. Am Abend haben wir dann erfahren, dass er einen Bruch des Schien-Wadenbeins hat und eine OP benötigt.

Nun konnten wir tatsächlich im 2. Versuch zum Katzenhaus aufbrechen. Katzen fotografiert und beschmust, viel gekuschelt und die kurze Zeit genossen (die Katzen fanden die Aufmerksamkeit auch toll)

Danach mussten wir überraschenderweise eine Stunde bis zum öffentlichen Shelter von Bukarest fahren, um die dortigen -mehr als 700 Hunde- zu “besuchen“. Man unterschätzt die Fahrzeiten für 50 km quer durch die ländlichen Gegenden von Rumänien. Auf dem Hinweg war uns ein wenig mulmig zumute. Schließlich ist es unser erster Besuch dort.



Im Shelter angekommen erwarten uns über 1400 Augenpaare, die uns teilweise erwartungsvoll, fröhlich, ängstlich oder in Verteidigungshaltung anschauen.

Einige Hunde sind uns wirklich nahe gegangen, besonders die, die förmlich um Aufmerksamkeit gelechzt haben und sich an das Gitter pressten. Die alten Hunde, die im ständigen Lärm völlig apathisch waren. Die Welpen, die teilweise erst wenige Wochen alt sind.

Am Liebsten möchte man für alle Hunde sofort eine Lösung finden. Doch es hilft nur, sie sichtbar zu machen. Wir haben vielleicht 150 Hunde heute gesehen, eventuell etwas mehr. Danach war der Kopf voll, das Herz gebrochen und der Akku vom Handy leer.


Die Rückfahrt war eher nachdenklich, das ein oder andere Tränchen ist geflossen.

In Lauras Tierheim musste dann erstmal geschmust werden und ein paar tierische Küsschen wurden verteilt.

3. Tag: Wieder ins Shelter. Die Hunde brauchen ein Gesicht.


Wir waren den ganzen Tag im öffentlichen Shelter von Bukarest.

Wir haben alle 730 Hunde gesehen, die meisten fotografiert. Viele waren sehr verängstigt, viele verhaltensauffällig durch den Stress, aggressiv durch die Isolation, die Enge und die Unterbringung als solche.


Der Lärm in den Hallen und auch Außenanlagen ist unbeschreiblich. Jede Maschinenhalle in Fabriken ist dagegen eine Oase der Ruhe. Irgendwann haben wir uns nur noch auf unseren „Job“ konzentriert. Die Hunde müssen gesehen werden, damit die Anzahl sich reduziert und es möglich wird, bessere Lebensbedingungen zu schaffen.


Es ist eine moralische Pflicht, dieses menschengemachte Problem zu lösen.

Die Hunde haben sich dieses Leben nicht ausgesucht. Sie haben nicht freiwillig ein Leben auf den von Menschen gebauten Straßen und Siedlungen, in Tötungen oder Sheltern zur lebenslangen Verwahrung gewählt. Daher kauft bitte keine Tiere, sondern adoptiert sie - egal ob aus Deutschlands Tierschutz oder aus dem Ausland.


Tag 4: Besuch in der Tierklinik/SACHE Foundation Heute waren wir, zum Abschluss unseres Kurztripps, einen ganzen Tag in der Tierklinik und im angeschlossenen Tierheim. Wir haben ein wenig Katzen beschmust, Hunde ausgeführt und Bilder gemacht. Unser Hauptziel für den Tag war, die 61 Katzen nachzutesten, die unter FIV-Verdacht im Juli in die Klinik kamen.


Im Labortest waren 2 von 4 exemplarisch ausgewählte Katzen bereits negativ. 14 Tests konnten nun noch zusätzlich gemacht werden und 10 waren, zu unserer großen Freude, auch negativ. Demnach sind von 18 getesteten Katzen nun 12 mit einer guten Vermittlungschance. Die 6 positiv getesteten sollen auch vorgestellt werden, leider zeigt die Erfahrung, dass die Vermittlungschancen sehr schlecht sind, da über die FIV Erkrankung von Katzen zu wenig aufgeklärt wird.

Es sind wieder unheimlich viele Notfälle in der Klinik und es werden dringend Paten für OPs und Futter gesucht. Das hochwertige Tierfutter ist in Rumänien, trotz geringerem Einkommens der Bevölkerung, teurer als in Deutschland. Wir haben mit einem Stein im Magen und einem Kloß im Hals das Tierheim verlassen. Wohl wissend, dass es nicht alle schaffen gesund zu werden. Am Freitag ging es wieder zurück nach Hause in unseren Alltag mit Job, Familie, Pflegetiere, Vermittlungen, Vorkontrollen, Vereinsarbeit …. der ganz normale Wahnsinn. Trotzdem war die Reise wertvoll für uns. Sie hat uns wieder gezeigt, warum wir tagtäglich um jeden Platz kämpfen müssen. Und darüber werden wir auch nicht müde.

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