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Bauernläden profitieren von Eierskandal

 

Der Skandal um verseuchte Eier aus den Niederlanden zeigt Wirkung. Nachdem die Eierregale in den Supermärkten leer geräumt sind, besinnen sich viele Menschen - zumindest kurzfristig - darauf, bei ihren Bauern vor Ort vorbei zu schauen und dort einzukaufen.

 

Millionen mit dem Insektenvernichtungsmittel Fipronil verseuchte Eier waren Ende Juli nach Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gelangt und wurden inzwischen aus dem Handel genommen. Experten erwarten, dass die Zahl noch steigt, da noch nicht alle Testergebnisse der 180 gesperrten Betriebe vorlagen. Auch in andere Bundesländern könnten die Eier geliefert worden sein. Neben Aldi Nord und Süd haben auch der Lebensmittelhändler Rewe und dessen Discounttochter Penny Eier aus den Niederlanden vorsorglich aus dem Verkauf genommen.

 

„Der Fipronil-Fall zeigt einmal mehr: Die Lebensmittel-Industrie produziert einen Skandal nach dem anderen. Fipronil hätte bei Hühnern gar nicht eingesetzt werden dürfen“, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.  Was für Hund und Katze erlaubt ist, geht für Hühner gar nicht: Das Insektizid Fipronil, das seit den 1990er Jahren sehr beliebt ist als Anti-Floh-Mittel bei Haustieren und auch in Ameisenködern verwendet wird, ist für die Desinfizierung von Hühnerställen streng verboten.

 

Das Kontaktgift, das gegen Hautparasiten wirkt, wurde den Tieren zwar nicht verfüttert, sondern im Stall als Desinfektionsmittel versprüht. Die Hennen haben es aber über die Haut, beim Einatmen, auch beim herumpicken im Körper aufgenommen, erklärt ein Experte für Pharmakologie bei der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Der Stoff reichere sich in den für die Dotterbildung zuständigen Zellanlagen, den Follikeln, an. Deshalb findet man das Fipronil auch hauptsächlich im Eidotter. Das hänge damit zusammen, dass Fipronil lipophil ist - also fettliebend. Die Reifung des Eis im Huhn dauere ungefähr zehn Tage. Das heißt, der Wirkstoff, der heute in einem Follikel eingelagert wird, wird dann in zehn Tagen in dem Ei sein.

KOMMENTAR

 

Großes Geschrei im Sommerloch

 

von Anita Rose-Schrills
 

Heute morgen war ich wieder einmal zu einer Kastrationsaktion unterwegs. Wie es sich dann so ergibt, unterhält man sich über Gott und die Welt, auch über das momentane Eierproblem! Schnell stellt sich heraus, dass auf einmal die Nachfrage nach sogenannten "guten Eiern aus guter Haltung" steigt. Dort, wo ansonsten meist die Eier zu teuer sind, da man sie ja 10 Stück für 1,99 € beim Discounter bekommt. Auf Grund dessen habe ich einmal überschlagen, was unsere Eier bei den Weidetieren denn so kosten müßten.

 

1 Huhn benötigt mit Futter, Wasser, Vitaminen, Grünfütter, Parasitenmittel - ohne Medikamente oder Behandlung vom TA und ohne anzurechnende Gehälter von Personal ca. 0,20 € pro Tag. 365 Tage x 0,20 € ergibt einen Jahresunterhalt von 73,00 € für 1 Huhn. Ein Huhn legt stressfrei etwa 100 Eier übers Jahr. Nehmen wir die Kosten von 73,00 € und teilen ihn durch die gelegten 100 Eier, müßte ein Ei den Betrag von 0,73 € erwirtschaften - ohne Gewinn nur das die Kosten gedeckt sind.

 

Ich würde an Euere Stelle man kräfitg überlegen unter welchen Voraussetzungen 1000ende Hühner gehalten werden müssen, damit man 1 Ei für 0,19 € kaufen kann. Da braucht sich niemand mehr über Gift und Pestiziede in den Eiern zu wundern und jetzt die große 'Welle zu schlagen. Für mich eher die Füllung des Sommerloches. Großes Geschrei und am Ende des Monats wieder total vergessen, wenn Sonderangebote in den Regalen stehen.

Neben Landwirten in Belgien und den Niederlanden haben auch Betriebe in Niedersachsen ein Mittel mit Fipronil eingesetzt, das das Insektenmittel illegalerweise enthält. Sie verwendeten Dega-16, ein homöopathisches Mittel aus ätherischen Ölen, das gegen einen problematischen Parasiten helfen soll: die Rote Vogelmilbe. Laut Experten haben rund zwei Drittel aller Legehennenhalter in Europa ein Problem mit diesem Blutsauger.

 

Die Milben kriechen nachts auf die Vögel, siedeln sich unter den Flügeln an und saugen das Blut der Tiere. Für die Hennen ist das nicht nur lästig, es kann auch gefährlich sein, ja sogar bis zum Tod der Tiere wegen Blutarmut führen. Milben können auch Krankheitserreger übertragen, etwa die Vogelgrippe oder Geflügelcholera, erklärt Schulze. Aber es mache die Gruppe auch unruhig - was zu einem zusätzlichen Problem führt, wenn, wie inzwischen in Niedersachsen, das Kürzen der Schnäbel verboten ist. Denn wenn die Tiere aggressiver sind, picken sie auch mehr aufeinander ein und verletzen sich - die Krankheitsgefahr steigt und die Legeleistung sinkt.

 

Der neue Skandal kommt allerdings nicht überraschend – und er werde auch nicht der letzte sein. „Nur wenn die EU ihre Agrar- und Ernährungspolitik grundlegend ändert, werden sich Skandale wie dieser künftig verhindern lassen“, so Miller. Mit ihrer derzeitigen Agrarförderung belohne die EU vor allem jene, die Masse statt Klasse produzieren. Auch aufgrund des Preisdrucks durch Handel und Verbraucher seien Landwirte gezwungen, möglichst viel und möglichst billig zu produzieren. „Daher ist die Versuchung grundsätzlich groß, zu kritischen und mitunter illegalen Mitteln zu greifen und so die Produktion bis zum Maximum auszureizen“, vermutet Miller.

 

Für die Landwirte müsse es sich wieder lohnen, naturverträglich zu wirtschaften – durch eine bessere Förderpolitik und faire Preise. „Mit einer grundlegenden Reform der Agrarpolitik schützt die EU auch die Verbraucher vor kriminellen Handlungen wie diesen“, sagt Miller. Darüber hinaus forderte der NABU strengere Kontrollen beim Einsatz von Pestiziden und damit auch neurotoxischer Insektizide wie Fipronil.

 

 

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